Kali, Kaili und Kallisti: Shea/Wilson, Die Illuminatus!-Trilogie, Band 1

Der Plot

Die Polizisten Barney Muldoon und Saul Goodman ermitteln wegen einer Explosion in den Büros der Zeitschrift Confrontation. Der Herausgeber, Joseph Malik, ist verschwunden; der Chefreporter, George Dorn recherchiert in Mad Dog, Texas, und stößt dort auf eine konservativ-rechte Verschwörungsgruppe. Er wird befreit von einer links-libertären Verschwörungsgruppe um Hagbard Celine. Nach seiner Initiierung (unter Mitwirkung von Joe Malik) wird George als Bote mit einem Angebot zu Robert Drake geschickt, dem Oberboss aller kriminellen Syndikate in der USA: Drake arbeitet für die Illuminati, die größte und rechteste aller Geheimverschwörungen, soll sich aber der Gegenseite anschließen.

Währenddessen wird Saul Goodman entführt und einer Gehirnwäsche/Initiation unterzogen. Von… ich weiß es nicht mehr genau. Erst von den Illuminaten, dann von der Gegenseite?

Das Ziel der Illuminaten: Das Eschaton immanentisieren. (Das war etwas, das man damals so sagte, in den 1960er und Anfang der 1970er Jahre. Ehrlich! Lest Wikipedia dazu.)

In Band 2 wird das konkretisiert: Um göttergleichen Status zu erlangen, muss es viel Tod um einen herum geben – daher Pest, Krieg, Hungersnot. Unter anderem deshalb sorgen die Illuminaten für Kriege in der Weltgeschichte, und jetzt planen sie für die Sowjetunion, USA und China einen globalen Konflikt um die Insel Fernando Poo. Parallel soll in Las Vegas ein Anthrax-artiger Kampfstoff freigesetzt werden. Aber vielleicht ist das alles nur Ablenkung?

Meine Erinnerungen, und Douglas Adams

Gelesen habe ich die Bücher 1987 oder Anfang 1988, denke ich. Ich habe zuerst den mittleren Band der Trilogie von B. geschenkt bekommen, als ich sie aus irgendeinem Grund mal in irgendeiner anderen Stadt besuchte. Aber vielleicht stimmt das auch gar nicht – Erinnerung erzeugt die Realität, mit dem Erzählen und der Zeit hält man vielleicht für wahr, was so gar nicht so geschehen ist. Das steht übrigens auch in diesem Buch, als Zusammenfassung eines Aufsatzes „‘Retroactive Reality’, printed in Wieczny Kwiat Władza, the journal of the Polish Orthopsychiatric Psociety, for Autumn 1959“. Der Quellenangabe würde ich allerdings misstrauen.

B. las so etwas normalerweise gar nicht, aber ihr wurde das Buch empfohlen als „so ähnlich wie Douglas Adams“. Nun ist Illuminatus! überhaupt nicht wie Douglas Adams. Sprachwitz ist zwar vorhanden, aber auf dem Niveau von Kalauern und Wortspielen. Dafür gibt es viel Sex und Drogen, gar nicht wie Douglas Adams. Und doch: So wie Arthur Dent seine Welt verlässt und im Morgenmantel, von Mentoren begleitet, auf dem Raumschiff Herz aus Gold auf einen dubiosen Kapitän trifft, so verlässt George Dorn seine Welt und landet auf der Leif Erikson, einem riesigen gelben Unterseeboot, begleitet von Mentoren und unter einem dubiosen Kapitän. In beiden Werken sind Delphine intelligenter als Menschen, hier reden sie sogar etwas mehr mit den Menschen. In beiden gibt es kommunizierende schräge Supercomputer. Und auch bei Illuminatus! ist die Erde einst von einer intergalaktischen Firma erbaut worden, die etwas schlampig gearbeitet hat:

The other squink, partner to the first (they own Swift Kick Inc., the shoddiest contractors in the Milky Way) says “How?” The first squink laughs coarsely. “Every organism produced will be programmed with a Death Trip. It’ll give them a rather gloomy outlook, I admit, especially the more conscious ones, but it will sure minimize costs for us.” Swift Kick Inc. cut the edges every other way they could think, and Earth emerged as the Horrible Example invoked in all classes on planetary design throughout the galaxy.

Und was den einen die 23, ist dem anderen die 42.

– Ihr erinnert euch an die Szenen, als bei Adams der Unwahrscheinlichkeitsdrive der Herz aus Gold eingeschaltet wird und alles ein bisschen schräg ist, bevor Wahrscheinlichkeit 1:1 erreicht ist? In diesem Stil sind weite Stellen von Illuminatus! gehalten.

Dass ich zuerst Band 2 gelesen habe und danach Band 1 und 3 hat gar nicht geschadet. Band 2 enthält am Anfang eine Zusammenfassung der bisherigen Handlung, die wohl übersichtlicher ist als der Band selber; andererseits passt es auch zu dem Buch, sich mittenrein zu stürzen und gar nicht zu kapieren, worum es geht. Beim Wehrdienst damals habe ich mich mit Klaus Schenker, einem anderen Gefreiten, darüber unterhalten, und über Lord Dunsany, und Martin Gardner, und Rollenspiele. Zefix, wieso haben die Leute alle kein Blog und nicht mal sonst eine Webpräsenz, dass man nicht schauen kann, was aus ihnen geworden ist!

Ich erinnere mich noch gut daran, welche Wörter ich konkret bei diesem Buch gelernt habe, und welche Namen ich zum ersten Mal hier gelesen habe: mynah birds, anthrax, mace/to mace (Tränengas aus der Spraydose, heute auch oft für Pfefferspray verwendet), Ezra Pound, Giordano Bruno, R. Buckminster Fuller, die nationalsozialistischen Vril- und Thule-Gesellschaften, Ayn Rand, Namen amerikanischer Pornographiedarstellerinnen, Aleister Crowley, Markow-Ketten, Kaiser Norton, Dutch Schultz.

Dutch Schultz, John Dillinger, und Kaiser Norton, um nur mal drei zu nehmen

Historisch war Joshua Norton ein Bürger in San Francisco, der sich zum Kaiser der Vereinigten Staaten ausrief, eine Währung herausgab und Verkündigungen verfasste und wohl allgemein akzeptiert und geachtet war (Wikipedia). In Illuminatus! spielt er nur eine Nebenrolle, aber ich habe ihn mir doch gemerkt; er taucht zum Beispiel auch in einem meiner liebsten Sandman-Bände auf.

John Dillinger spielt eine größere Rolle im Buch; er war ein amerikanischer Bankräuber, der bald legendären Status hatte und 1934 vom FBI erschossen wurde. 1966 wurde die John Dillinger Died For You Society gegründet (Link), Thomas Pynchon und William S. Burroughs, beides Vorbilder für die Trilogie, schrieben über ihn. Schon bald nach seinem Tod gab es wohl Gerüchte, dass das FBI in Wirklichkeit einen Doppelgänger erschossen hatte, nächste Woche sollte eine Leichnam exhumiert werden (Washington Post), um diese Frage zu klären; im Moment gibt es aber rechtliche Schwierigkeiten (Link). Zur John-Dillinger-Folklore gehört auch, dass er einen sehr großen Penis hatte, der im Smithsonian Institute in Formaldehyd eingelegt aufbewahrt wird, alternativ auch in einem Glas auf J. Edgar Hoovers Schreibtisch (“Is it true what they said about John Dillinger?”). Es mag sich um eine Legende handeln. Fnord.

Dutch Schultz taucht immer wieder im Buch auf, mitunter auch unter seinem richtigen Namen Arthur Flegenheimer. Historisch ein führender Gangster, der im Auftrag seiner ehemaligen Partner erschossen wurde – bei Wikipedia sehr detailliert nachzulesen. Dort liest man auch, wie er kurz vor seinem Tod 7 Millionen Dollar (heutiges Äquivalent: 130 Millionen) in einem Safe versteckte und diesen in „an undisclosed location somewhere in upstate New York“ vergrub. Bis heute fehlt jede Spur von Safe und Geld (Dokumentarfilm von 2001 dazu).

Dutch Schultz ist wohl durch seinen langen, delirierenden Sterbemonolog bekannt geworden, der mehrfach literarisch verarbeitet wurde (für Wahnwitzige: der Text). In Illuminatus! wird er gedeutet als Sammlung verschlüsselter Hinweise auf die Illuminatenverschwörung. Auch wenn im Polizeiprotokoll „last night“ steht, hat er laut Illuminatus! von „last knight“ gesprochen. (De Molay, versteht sich.)

Diesen Figuren habe ich in den Jahren nach meiner Illuminatus-Lektüre nachgespürt und nach und nach ihre Geschichten gefunden. Ich weiß gar nicht, wie ich das gemacht habe, das war ja alles vor dem Web. Aber ich weiß noch, wie sehr ich mich gefreut habe, Emperor Norton mal in der Fernsehserie Bonanza zu sehen, und Dutch Schultz in einer Episode der alten Schwarzweißserie The Untouchables.

H.P. Lovecraft

Lovecraft, eine kleinere Nebenfigur im Roman, kannte ich schon, als ich das Buch las. Als es erschien, 1975, hatte der große Lovecraft-Boom, ausgelöst durch das Call-of-Cthulhu-Rollenspiel 1981, aber noch nicht begonnen, deshalb: Respekt.

Auslöser für die Anwesenheit im Roman ist wohl ein Aspekt zu HPL, der heute ein wenig in Vergessenheit geraten ist: Spaßeshalber ließ er in seinen Geschichten immer wieder die gleichen Namen der großen Hintergrund-Monster erscheinen, und wiederholte auch die Titel erfundener arkaner Bücher, allen voran das Necronomicon, aber auch von Junzts Unaussprechlichen Kulten. Das hatte zwar Robert E. Howard erfunden, das Spiel mitspielend, so wie De Vermis Mysteriis von Robert Bloch stammt. Alle übernahmen die Namen der anderen, mit Lovecraft als Anführer, und so entstand ein lose zusammenhängender Kosmos, bei dem die Leser von Weird Tales bald nicht mehr wussten, was wahr war und was erfunden. (Nach Lovecrafts Tod wurde dieser Kosmos von August Derleth in eine zeitweilen populäre, aber inhaltlich völlig unpassende Form kodifiziert, Kampf Gut gegen Böse und so.)

Jedenfalls gab es noch zu Lovecrafts Lebzeiten Leser, die in seinen Geschichte einen wahren Kern ausmachen wollten – es geht in diesen Geschichten ja auch um eine Wahrheit hinter der uns bekannten Wirklichkeit, die zu unserem Glück meist vor uns verborgen bleibt, und um Kultisten, die den Weltuntergang einleiten wollen. Damit war der Cthulhu-Mythos eine der ersten Verschwörungstheorien!

Literarisch wurde das mehrfach aufbearbeitet, etwa in Strange Eons von Robert Bloch (1979): Da taucht HPL ebenfalls als Figur auf, der angeblich versucht hat, durch seine Geschichten die Welt zu warnen. Auch in Illuminatus! weiß HPL um einen wahren Kern seiner Geschichten und wird gewarnt, die Geheimnisse nicht mehr zu verbreiten, und sei es auch noch so verschlüsselt. Einige seiner extradimensionalen Gestalten gibt es in Illuminatus! wirklich – sie sind zum Beispiel verantwortlich für schlechte LSD-Trips. Und die ganzen Mythos-Bücher, die gibt es sowieso, auch die Starry-Wisdom-Sekte und viele andere Orte und Personen.

Aus Lovecrafts Geschichte „The Call of Cthulhu“ übernommen haben die Autoren von Illuminatus! den Gedanken, dass sich ein weltumspannendes apokalyptisches Ereignis durch Häufungenn von Alpträumen und Anfällen, gerade unter Künstlern und Wahnsinnigen, ankündigt.

Erzählweise

Der eine Trick des Buches ist wohl die nichtlineare Erzählweise. Es gibt immer wieder Zeitsprünge vor- und rückwärts, meist in verständlichen Abschnitten, auch nur zeilenweise. Oft wird erst im Nachhinein klar, aus welcher Zeit eine Passage stammt und auf wen sich die Personen beziehen. Dass mindestens einer Figur eingeredet wird, sie sei eine andere, und einer anderen, sie sei die eine, macht es nicht leichter. Aber an sich ist das keine anspruchsvolle Lektüre. Alle Motive werden so oft wiederholt, bis man schon kapiert, wer jetzt was ist.

Es gibt keine auktoriale Erzählinstanz, jedenfalls so gut wie nicht, in meiner Erinnerung wird viel über wörtliche Rede vermittelt, aber da mag ich mich irren. Allerdings gibt es schon im ersten Absatz so eine Art Sprecherstimme, die aber problematisch ist:

I happen to know all the details about what happened, but I have no idea how to recount them in a manner that will make sense to most readers. For instance, I am not even sure who I am

Vielleicht erfahren wir am Ende des Romans, wer da spricht. Allerdings wechselt dieses Ich ohnehin sehr häufig. Ich kann mich an das folgende erzähltechnische Mittel von früherer Lektüre her überhaupt nicht erinnern, aber immer wieder wird eine Figur als Ich-erzählend mit interner Fokalisierung eingeführt, wobei mitten im Gespräch, teilweise mitten im Absatz, das Ich und die Fokalisierung auf eine andere anwesende Person übergeht, oder ganz verschwindet, und umgekehrt natürlich auch, dass man mit der 3. Person beginnt und die plötzlich in die 1. übergeht. Hier eine leicht geschnittene Szene zwischen Saul Goodman und Barney Muldoon:

The phone rang at 2:30 A.M. the morning of April 24. Numbly, dumbly, mopingly, gropingly, out of the dark, I find and identify a body, a self, a task. “Goodman,” I say into the receiver, propped up on one arm, still coming a long way back. […]
“Your baby, Barney?” I asked casually.
“Looks that way. Nobody killed. The call went out to you because a clothier’s dummy was burned on the eighteenth floor and the first car here thought it was a human body.” […]
Saul’s face showed no reaction to the answer-but poker players at the Fraternal Order of Police had long ago given up trying to read that inscrutable Talmudic countenance. As Barney Muldoon, I knew how I would feel if I had the chance to drop this case on another department and hurry home to a beautiful bride like Rebecca Goodman. I smiled down at Saul …

Eine der Figuren erfährt später in einer Vision auch, dass alle Menschen eins, also derselbe Mensch sind. So Hippiezeug halt.

– Nachtrag nach Lektüre der letzten beiden Bände: Ein typisches Stilmittel ist auch der umittelbare und – bis auf einen Absatz, wenigstens – unmarkierte Szenenwechsel. Etliche Male ist einer der Übergangssätze allerdings so, dass er ganz oder fast zu beiden Szenen passt. Hier folgt auf eine Szene zwischen dem Polizisten Eichmann, der Hagbard zumindest anscheinend zur Bestechung auffordert, ein Satz von Hagbard in einer anderen, chronologisch viel späteren Szene, in der er Harry Coin zumindest anscheinend zur Bestechung ermuntert:

“Can’t you go a little easy on us, officer?” Eichmann took out his wallet. “A cop’s salary ain’t the greatest in the world, eh?” He nudged Hagbard insinuatingly.
“Are you trying to bribe me?” Hagbard asked sternly.
“Why not?” Harry Coin whined. “You got nothing to gain by killing me. Take the money and put me off the sub at the first island you pass.”

Sehr viele der Szenen im Buch werden mehrfach erzählt, aus jeweils verschiedenen Blickwinkeln, etwa zwischen Atlanta Hope und Robert Drake in der Mitte von Band 1 und dann noch einmal am Ende von Band 2. Oft versteht man erst beim zweiten Mal, worum es eigentlich geht. Teilweise werden mantraartig Sätze als Mini-Absätze wiederholt, deren Sinn erst sehr viel später klar wird.

Aus erzähltechnischer Sicht erwähnenswert ist noch, dass sich bei einer Person im Buch zum Ende der drei Bände herausstellt, dass sie in Wirklichkeit drei Personen ist (eineiige Geschwister). Erst ab diesem Punkt bekommt die Person dann auch drei leicht verschiedene Namen. Ich weiß nicht, ob einem sorgfältigen Leser vorher auffallen kann, dass die Person gleichzeitig an drei verschiedenen Orten ist; möglich ist das schon, allerdings habe ich schon früh aufgegeben, viel Überblick zu behalten.

Bei wiederum drei anderen Person stellt sich am Ende heraus, dass das immer dieselbe Person unter verschiedenen Namen war – oder so ähnlich; es ist etwas komplizierter.

Mehr für mich, wegen Überblick: Die Gruppierungen

  • ELF: Erisian Liberation Front, die abgespacestesten Anti-Illuminaten-Gruppe; kein Symbol
  • SSS: Satanists, Surrealists and Sadists; haben eine Privatwährung
  • LDD: Legion of Dynamic Discord; anarcho-kapitalistische Gruppe; haben eine andere Privatwährung; Symbol: Apfel auf der Pyramide; Anführer: Hagbard Celine
  • JAM: Justified Ancients of Mummu: Vorläufergruppe der anderen, seit 1888 Splittergruppe der älteren Illuminaten; anarcho-kommunistisch; Symbol: Chao; prominente Mitglieder: Simon Moon, John Dillinger (erfolgreicher Produzent von Rockmusik, die eigentlich von den Illuminati beherrscht wird).
  • Mad Dog Cabal: Vielleicht Illuminaten, vielleicht nicht in; in Mad Dog, Texas
  • Mafia: Zuträger der Illuminaten, unter Robert Putney Drake – der als genialer Psychologe und reicher Erbe Dutch Schultz‘ Sterbemonolog analysiert und sich mit diesem Wissen in die organisierte Kriminalität drängt
  • Illuminati: Symbol: Pyramide, Pentagon; finstere Gegenspieler
  • God‘s Lightning: angeführt von der an Ayn Rand angelehnten Atlanta Hope, Unterlinge der Illuminaten
  • FBI, CIA, englischer Geheimdienst, BUGGER, KCUF, Foot Fetishist Liberation Front – tauchen nur am Rande auf.

All diese Gruppen arbeiten mit- und gegeneinander. („I don‘t like dealing with Hagbard,“ Simon said. „He‘s a right-wing nut, and so is his whole gang.“) Vorbild dafür sind sicher auch die linken bis radikalen studentischen Alternativbewegungen der späten 1960er und frühen 1970er Jahre: Aus dem SDS (Students for a Democratic Society) spaltete sich RYM ab (Revolutionary Youth Movement), woraus der Weather Underground sich abspaltete – der bereits von vielen als terroristische Vereinigung eingeordnet wurde und tatsächlich Bomben legte, allerdings nicht mit dem Ziel, Terror auszuüben. Wikipedia verweist unter der englischen Begriffsklärungsseite zu „Morituri“ auch auf: „A branch of the Weather Underground Organization“. Die Morituri, besonders radikale Weathermen, tauchen in Illuminatus! auf; da ich sonst im Web bis auf den Wikipedia-Randbemerkung so gar nichts zu ihnen gefunden habe, gehe ich mal davon aus, dass sie eine Erfindung des Romans sind und bei Wikipedia gar nichts zu suchen haben. – Meine Generation kennt das ja eher als Parodie über die Volksfront von Judäa.

Band 2 und Ausblick

Ich bin jetzt am Anfang von Band 2 und muss doch jetzt schon diesen Blogeintrag schreiben, weil meine Notizen und Lesezeichen bereits zu viel werden und wenn ich bis zum Ende warte, sehe ich gar keine Chance, sie zu bewältigen. Ich habe noch einige Erinnerungen an das, was kommen wird – Wendungen, die mich beim ersten Lesen überraschten, auch wenn ich beim reiferen Wiederlesen merke, wie sehr vieles bereits angedeutet wird. Ein Herr Chaney taucht immer wieder mal auf, aber wir erfahren nicht, was er mit The Mgt. zu tun hat. Auch die fnords werden bereits in Band 1 erwähnt, aber noch nicht erklärt. (Eine schöne Idee wäre es gewesen, ein paar Seitenzahlen durch fnords zu ersetzen, aber ich glaube, das wird nicht geschehen.) Ein großes Rockkonzert in Ingolstadt wird angekündigt, ein Woodstock Europa, auch Walpurgisnacht genannt, am Ufer des Lake Totenkopf. Just saying. Im Finale wird dann gesungen: This is the dawning of the age of Bavaria, Bavaaariaaa.

Ich habe Band 2 in der gleichen englischen Ausgabe wie Band 1, diese allerdings von 1976, Band 2 in einer späteren Auflage von 1982. Und so sind dieser Version auch einige Rechtschreibfehler verbessert: Die Leif Erikson heißt jetzt nicht mehr wie ursprünglich Lief Erickson, und “Tequilla y Mota” wird jetzt mit einem “l” geschrieben. Dafür wird aus “immanentize the eschaton” plötzlich “imminentize” – was etwas anderes bedeutet, falls es das Wort überhaupt gibt: beim einen geht es darum, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, beim anderen darum, das (herbeigesehnte) Weltende zu beschleunigen. In Michael Chabon, The Yiddish Policemen‘s Union, SPOILER! – geht es eher darum, das Eschaton zu imminentisieren als zu immanentisieren.

Anscheinend war in den 1980er Jahren diese nützliche kleine Phrase bereits aus dem kollektiven Wortschatz verschwunden. (Dass ich parallel dazu auch eine wohl über OCR/Scannen entstandene, fehlerhafte Pdf-Version des Romans benutze, macht die Sache nicht einfacher: da muss ich dann immer wieder nachschauen, ob “the wheel of tune, as the Mayans knew” nicht noch eher “the wheel of time” ist.)

Heute wird die Illuminatus!-Trilogie, sagt mir Wikipedia, meistens als einbändige Ausgabe verkauft – ich vermute, ohne die zusammenfassenden Prologe in Band 2 und 3. Allerdings enthalten diese auch Informationen, die im Rest des Buchs überhaupt nicht zu finden sind: Etwa dass Hagbard Celine selbstzerstörende mynah birds heranzieht – zu Deutsch der Hirtenstar oder die Hirtenmaina, ursprünglich asiatische Starenvögel, die die menschliche Stimme gut imitieren können; Hagbard bringt ihnen bei, „Here, kitty-kitty-kitty“ zu sagen und damit Katzen anzulocken. In zumindest manchen einbändigen Ausgabe tauchen diese mynah birds erst in Band 3 auf, und da ohne erkennbaren Zusammenhang.

Als Fernsehserie – mit dringend nötigen Anpassungen

Warum wird das eigentlich nicht mal verfilmt? Ich kann mir das sehr gut als Fernsehserie vorstellen. Es gibt starke visuelle Eindrücke und keinen geistreichen Erzähler, der gerettet werden müsste. Man könnte das als Retro-Film über die 1970er machen oder gleich ins Heute versetzen – Verschwörungen wittern die Leute wieder mindestens so viel wie damals, Nixon als Präsident ist getoppt, dazu kommt moderne Technologie und das Internet. Statt der Privatwährungen hempscript oder flaxscript oder der von Kaiser Norton gibt es cryptocurrencies.

So etwa ein Schuss Yellow Submarine (und natürlich Help), viel Design von Austin Powers, aber ohne dessen Scherze. Ein bisschen X‑Files für die Verschwörungstheorie und sehr viel von dessen, uh, ich sag mal: vergessenem Vorläufer, Department S. Das war eine englische Spy-Fi-Agentenserie just aus der Zeit, von der wir sprechen, produziert von der Firma, die uns The Saint, Danger Man, The Prisoner, Thunderbirds, Captain Scarlet and the Mysterons und The Persuaders (Tony Curtis und Roger Moore) brachte. Das in Paris stationierte Department S übernahm die besonders mysteriösen Fälle für Interpol, Mitglieder waren – na, wenn wir ehrlich sind, zwei andere und Jason King, hauptberuflicher Thriller-Autor, der außerdem bei Interpol aushalf. Peter Wyngarde als Jason King bekam danach seine eigene, allerdings ziemlich uninteressante Serie; der Marvel-Schurke Mastermind aus den X‑Men ist nach ihm “Jason Wyngarde” benannt. Hier ein Bild von Sex-Symbol Jason King aus den frühen 1970ern, das nur einen kleinen Eindruck der Serie vermittelt:

Jason King (Bildersuche)

Allerdings

…müsste man vieles anpassen, bevor man das einem modernen Publikum zumutet. Zumindest das letzte Fünftel in Band 1 war etwas mühsam, zu sprunghaft, zu viel Drogenvisionen. Im Fernsehen könnte man das knapp halten. Dafür müsste Musik eine größere Rolle spielen; einen echten Soundtrack hat das Buch nicht.

Und das Frauenbild… Die Frauen sind allesamt gutaussehend, selbstbewusst, agentisch geschult und zu jeder Art von Sex bereit. Als Nebenfigur, nie als Hauptperson. Die Sexszenen… haben mich früher ziemlich gestört. Ist ja erst einmal gut, wenn ein Buch einen stört, aber ich glaube, hier nicht. Das bitte alles ändern.

Eine Leseempfehlung für das Buch kann ich nur eingeschränkt geben. Ich habe mich sehr vergnügt beim Wiederlesen – aber ich stehe auch auf Lesezeichen und Zettelchen und muss alles Inner- und Außertextliche, das ich nicht verstehe, sofort recherchieren und lande darüber in vergnüglichen rabbit holes. Und ich mag Verschwörungen und verstehe die Versuchung, eine Unmenge von Bilder an eine Wand zu pinnen und mit Bindfaden zu verknüpfen. Wem es auch so geht, für den ist das Buch vielleicht etwas; vielleicht darf man auch einfach höchstens zwanzig sein. Über Band 2 und 3 kann ich nichts sagen.

Synchronizitäten, Verwandte, Nachfolger

“Fubar” und “snafu”, ursprünglich Army-Slang, tauchen in anderen Zusammenhängen in Illuminatus! auf, die Herkunft wird aber nicht erklärt. Das zweite Wort kannte ich bereits, das erste habe ich erst zehn Jahre nach der Lektüre richtig kennen gelernt – da hatte es eine andere Bedeutung bekommen, wurde häufig in “foo” und “bar” zweigeteilt, was zur Bezeichnung für das heutigen Barcamp führte.

Der Film 23 (Deutschland 1998) hieße ohne Illuminatus! anders, und George R. R. Martins Roman The Armageddon Rag (dt. Armageddon Rock) von 1983, hier Wikipedia, halte ich auch für massiv davon beeinflusst. Tatsächlich vielleicht auch Matt Ruff, Fool on the Hill und vielleicht sogar Peter S. Beagle, The Folk of the Air, das muss ich noch überprüfen. Das Kultspiel Illuminati von Steve Jackson Games (1982) habe ich sehr lange nicht mehr gespielt, ich glaube, ich mochte es spieltechnisch nicht besonders – aber die nach und nach ausgelegten Karten ergeben immer ein faszinierendes Bild. Jeder Spieler, jede Spielerin hat eine zentrale Karte als zentrale Geheimorganisation, dran angelegt werden passende andere Organisationen, die durch sie kontrolliert werden und die wiederum heimlich andere Organisationen kontrollieren. Im Bild sieht man rechts unten die Pfadfinder, die – heimlich, in Wirklichkeit – kontrolliert werden von der Internationalen Kommunistischen Verschwörung, die übrigens auch hinter dem Profifußball steckt. Wir haben es schon immer geahnt.

Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Autor: Peng – daher steht dieser Blogeintrag unter der gleichen Lizenz!

Mir fällt da auch das erst neulich gelesene Our Gang ein (Philip Roth 1971, Blogeintrag), in dem das Nixon-Äquivalent Tricky Dick und seine Bande in einem Kapitel diskutieren, welche Organisation sie als hinter den demonstrierenden Pfadfindern stehend ausmachen sollen.

Englischsprachiger Podcast zu Zardulu, die von sich behauptet, hinter pizza rat zu stecken und weitere Aktionen mit einer dressierten Rattenarmee und anderen Mitteln ankündigt, um das Establishment zu veunsichern oder zu erheitern. Für die, die sich noch an pizza rat erinnern.

Just während meiner Lektüre und während des Schreibens dieses Blogeintrags stoße ich nicht nur auf die Exhumierung von John Dillinger, siehe oben, sondern auch auf einen ausführlichen Beitrag im Guardian zu geheimen Experimenten mit biologischen und chemischen Kampfstoffen und LSD, an dem die CIA beteiligt ist, komplett mit einem ungeklärten Fenstersturz einer Schlüsselperson, 1950er bis 1970er Jahre und Tentakel auch noch in die Gegenwart ausstreckend: From mind control to murder? How a deadly fall revealed the CIA’s darkest secrets. Es ist alles wahr.

Aus dem SZ-Magazin von letzter Woche (6. September 2019) reichte mir Frau Rau einen interessanten Artikel von Alex Rühle, Titel “Der Geheimdienst”. Es geht darin um eine Kulturguerilla, die im Untergrund von Paris in den Katakomben Konzerte veranstaltet und heimlich Reparaturmaßnahmen an öffentlichen Einrichtungen durchführt. Die Gruppe heißt “Untergunther”, ein Name, der wie das Konzept gut zu Illuminatus! passt, sie ist “nur eine Zelle in einem riesigen Netzwerk namens UX – kurz für Urban eXperiment.” Andere Gruppen heißen “La Mexicaine de Perforation” oder “Mouse House”. Damit Untergunther nicht von Neugierigen in den Katakomben belästigt wurden, spielten sie “oft eine CD mit beängstigendem Hundegebell” ab. – Die Nachbarn des verschwundenen Joe Malik hatten sich über dessen Hunde beschwert, “ten or twelve from the noise they made”, in der Wohnung fanden die ermittelnden Detektive aber keinerlei Spuren davon. Nur wer das Buch sehr genau liest, erfährt irgendwann, dass Joe Maliks Lieblingsplatte aus dem Museum of National History “The Language and Music of the Wolves” heißt und kann schließen – es gab nie Hunde, nur Aufnahmen. Ich sag ja nur.

Verwandte Blogeinträge

Zuletzt: Dank an Hermann Ritter für den Titel.

Nachtrag 1: Spam.

Grüße, aus dem illuminati World Elite Empire. Bring die Armen, die Bedürftigen und die Talentierten ins Rampenlicht von Ruhm, Reichtum, Mächten und Sicherheit, werde in deinem Geschäft anerkannt, in politischen Rennen, steig an die Spitze in allem, was du tust, sei geistig und körperlich geschützt! All dies wirst du im Handumdrehen erreichen, wenn du in das große Illuminati-Imperium eingeweiht wirst. Sobald Sie in das Illuminati-Imperium eingeweiht sind, erhalten Sie zahlreiche Vorteile und Belohnungen.
Hinweis: Diese Nachricht wurde ausschließlich für den Zweck unseres Rekrutierungsschemas erstellt, das nächsten Monat enden wird. Dieses Angebot ist nur für einzigartige Zwecke gedacht. Wenn Sie dem illuminati-Imperium nicht ernsthaft beitreten möchten, sollten Sie sich nicht mit uns in Verbindung setzen . Denn Unloyalität wird hier in unserer Organisation nicht toleriert.
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Die Illuminati.

Nachtrag 2: Schlangenmenschen

Wir erfahren die Geschichte der Illuminaten, oder jedenfalls eine der Geschichten: In Atlantis brachte der legendäre Gruad seinen Zeitgenossen a) Schlangenmenschen und b) Rationalität, Kalkül, Wissenschaft, und sorgte damit für den Untergang von Atlantis. Übrig blieb nur das Meer von Valusien und ein paar Inseln, wo Kull (der von Robert E. Howard) gegen die letzten Schlangenmenschen kämpfte, und ein paar Tausend Jahre später auch “Konan or Conan”. Außerdem entstand der moderne Mensch aus Nachfahrern der Atlanter und einer Rasse kleinwüchsiger Menschen, deren Held “Phroto” im Kampf gegen “Zaurn” siegreich war. – Das alles natürlich nach Robert E. Howard, aber noch ohne einen Hinweis auf die heute kursierenden Verschwörungstheorien um Reptiloide.

Nachtrag 3: Joyce

Hab’s sonst nirgendwo untergebracht: Es gibt immer wieder mal Anspielungen auf die Romane von James Joyce, also Portrait of the Artist as a Young Man, Ulysses und sehr viel gelegentlicher auch Finnegan’s Wake. Zum Ende hin gibt es auch einen langen Monolog einer Frau, ohne Punkt und Komma, wie bei Molly Bloom. Allerdings nicht so kunstvoll, der Monolog ist nicht so lang und kommt nicht am Stück, sondern wird immer wieder durch andere Szenen unterbrochen, und während Molly Blooms Monolog ein ultmatives YES ist, ist der hier ein deutliches, aber eben nicht ganz so lustvoll-energisches wiederholtes NO. Aber immerhin.

Nachtrag 4: Die Anhänge

Einen guter Anteil von Band 3 machen die Anhänge aus. Manche sind abgespaced-esoterisch, andere witzig. Wir erfahren, dass Adam Weishaupt erkannt hat, dass die Geschichte sich in 5 Phasen entwickelt. (Allerdings stand er da aus einem Missverständnis heraus unter mehr Drogen, als er vorhatte; Skepsis ist also angebracht.) Weishaupt hält das Wissen geheim, da er einen Wissensvorsprung behalten will. Das zyklische 4‑Phasen-Modell von Giambattista Vico wird diskutiert, aber abgelehnt; es ist zu nahe an der Wahrheit – also suchen die Illuminaten jemanden, der eine 3‑Phasen-Theorie verbreitet, und finden ihn in Hegel: These-Antithese-Synthese. Tatsächlich kennen Insider aber alle fünf Phasen: These, Antithese, Synthese, Parenthese, and Paralyse.

Außerdem werden ein paar offene Fragen geklärt, wenn auch nicht die mit den Hunden von Joe Malik, aber etwa die, wie die Rosenblüten in den Koffer kamen. Trotzdem hätte ich noch ein paar Fragen, ich schreibe sie mir hier auf, falls doch irgendwann mal ein Wiki zu Illuminatus! entstehen sollte:

  • Warum hat TK mit JM die Explosion in den Büros von Confrontation ausgelöst?
  • Warum soll X Y erschießen – und alles, was damit zu tun hat. Ein Nebeneffekt, oder hat irgend jemand X das in den Kopf gesetzt?
  • Warum fragt Lady Velkor immer: “Are you a turtle?”
  • Wer war der Agent von ELF im Büro von Confrontation? TK?
  • Ist die ursprüngliche Identität der Person, die überraschend viele Identitäten hat, die, die ich meine?

7 Antworten auf „Kali, Kaili und Kallisti: Shea/Wilson, Die Illuminatus!-Trilogie, Band 1“

  1. Und prompt ist heute der 160. Jahrestag der Proklamation SM Joshua zum Kaiser der Vereinigten Staaten von Amerika. Herzlichen Glückwunsch!
    Fragt sich nur – wenn Joshua Kaiser ist, ist Andre Norton dann Prinzessin?

  2. Ich war, glaube ich, 17, als ich die Trilogie gelesen habe, ca. 1992, auf Deutsch allerdings. Wie ich dazu kam, weiß ich nicht mehr, aber ich vermute, dass ich sie in Stuttgart im „Heinzelmännchen“ entdeckt habe. Dorthin fuhren wir regelmäßig, um Rollenspiele anzuschauen und manchmal auch zu kaufen (u.a. habe ich Ars Magica, Call of Cthulhu und Shadowrun um dieselbe Zeit dort erstanden). Wie bei dir war das also ganz eng verknüpft, Rollenspielen und eine bestimmte Literaturnische.
     
    Anders als bei dir ist der wilde Wechsel der Erzählperspektiven einer der Aspekte, an die ich mich am besten erinnere und mit denen ich schon damals bei Freunden für das Buch geworben habe. Ich hatte damals (ein bisschen) Joyce gelesen und fand Illuminatus! ähnlich avantgardistisch…
    Auch ich wäre nie auf die Idee gekommen, die Bücher mit denen von Douglas Adams zu vergleichen. Das Foucaultsche Pendel, natürlich. Das hatte ich, glaube ich, schon zuvor gelesen und es war toll, manche Geheimgesellschaften und Personen wieder auftauchen zu sehen. (Viel später dann das unerträgliche „Da Vinci Code“, aber davon schweigt man besser.) Wenn man mit der ganzen Thematik „Geheimbünde“ durch solche Parodien bekannt gemacht wird, ist man wohl erstmal geimpft.
     
    Sex und Drogen, die Frauenfiguren… ja, das ist alles ziemlich übel und das war mir als Jugendlicher durchaus auch schon klar. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, meiner Freundin diese Bücher schmackhaft zu machen. Aber andererseits war das natürlich auch sehr faszinierend. AUM ins Trinkwasser, um aus Neophoben Neophile zu machen, war meinem gymnasialen (d.h. rein theoretischen) Revoluzzertum sehr sympathisch.

    Vieles, was du beschreibst, ist damals noch komplett an mir vorbeigegangen. Von Ayn Rand hatte ich noch nie gehört (selbst später in Matt Ruffs Trilogie der Stadtwerke war mir nicht so richtig klar, über wen da gespottet wurde). Cthulhu (das RPG) spielte ich da schon und liebte die Verweise in Illuminatus. Lovecraft als Autor mochte ich überhaupt nicht (immer diese “Myriaden von Tentakeln”, gähn). Muss ich da mal wieder reinschauen?
    Wie lustig: Den Namen Markoff Chainey habe ich bis zu deinem Artikel NIE mit markov chains assoziiert, obwohl ich die ganz gut kenne. Hatte mir aber v.a. The Midget gemerkt.

    Schön waren immer Momente, wenn man irgendwo eine Anspielung auf die Trilogie fand: Es gab z.B. einen mittleren Pophit von KLF, “Justified & Ancient”, der oft im Radio gespielt wurde. Aber natürlich wusste fast niemand, dass das eine Anspielung auf die Justified Ancients of Mu Mu aus Illuminatus! war. Oder der Song “Ewige Blumenkraft” von den Ärzten. Da war man plötzlich selbst teil eines kleinen Geheimbunds, der Loge der Illuminatus!-Kenner.
     
    Steve Jacksons Illuminati haben wir auch häufig gespielt. Insb. mit geregeltem Schummeln. Das war großartig! Wer beim Schummeln erwischt wurde, musste exponentiell steigende Strafen an den Erwischer zahlen. Einer der Höhepunkt meiner Spielerkarriere war, dass ich einmal eine nicht existierende Regel aus der Anleitung so täuschend echt vorlas, dass alle mir glaubten und ich dadurch das Spiel gewann.

    Ich bin sicher, ich hätte ab und zu mal noch in die Bücher reingeblättert – wenn ich nicht (mit 19?) einen Rucksack in der S‑Bahn vergessen hätte, in dem sich neben der Trilogie auch der Regelband von “GURPS Illuminati” befand. (Wüsste gerne, wozu ich das alles rumgeschleppt hatte.) Ich hab mich furchtbar geärgert, dann aber recht schnell beschlossen, dass das wohl so sein sollte. Die Bücher würden einen neuen, bisher noch gänzlich unerleuchteten Leser finden. Und wer weiß, welche diskordischen Aktionen er oder sie daraufhin unternähme… Irgendwie doch ganz im Sinne des Mgt, nicht?

  3. Es tut gut, embee0, solche Leseerfahrungen zu hören! Und auch die Spielerfahrungen, und das Schicksal der Bücher.

    Das Foucaultsche Pendel hatte ich danach gelesen (und nach Smullyan, übrigens, von dem ein Satz als Epigraph bei Eco dient), und auch in dieser Richtung war das Wiedererkennen schön. Und endlich wurde mal seriös erklärt, wie das mit den Rosenkreuzern eigentlich war. Die geistern ja nur als Name durch Illuminatus!

    Mal wieder in Lovecraft reinschauen: Doch ja, geht. So viel “blasphemisch” usw. ist da gar nicht drin, und “Cthulhus Ruf” lohnt sich wirklich. Die Berge des Wahnsinns waren mir zu fad, damals, und sind sicher kein Einstiegstext, aber heute interessant – und so gar nicht blasphemisch oder gruslig, sondern Science Fiction, Grundlage für The Thing und Alien.

    The Midget: Unbedingt, der Beste. (Habe ich das Buch vielleicht doch schon in der 13. Klasse gelesen, wo im Zusammenhang mit Stochastik vielleicht mal etwas von Markoff-Ketten die Rede war. Asonsten blieb mir der Name wegen Lon Chaney im Gedächtnis.

    Geheimbund der Illuminatus!-Kenner: Irgendwie schon. In den letzten zwanzig Jahren gab es einen einzigen Kollegen an der Schule, der Illuminatus! kannte (und der hier gelegentlich kommentiert). Schon sehr bald “Adam Weishaupt” fallen lassen, wohl im Zusammenhang mit Aufklärung, und George Washington, und so.

  4. WIE ICH BECAME INSTANT MILLIONAIRE MIT DER HILFE VON FREEMASONRY.

    Ich bin Herr M.Delfino aus Frankfurt, ich muss dies schreiben, weil Leute da draußen, die Hilfe suchen, um der Freimaurerversammlung beizutreten, ich möchte, dass Sie Leute wissen, dass ich durch den Freimaurerorden geholfen habe, ich habe nach der rechten Hand gesucht, um dieser Versammlung beizutreten , ich bekam schließlich Kontakt mit Master Davis, die mir helfen, Freimaurerei beitreten, auch wenn ich gebeten wurde, für meine Ehre Registrierungsgebühren zu zahlen, die ich für den Initiationsprozess tat, alles ging erfolgreich, und eine sofortige Summe von 50.000.000 Euro wurde mir gegeben , auch die mächtige spirituelle Box, Einfluss, gute Position Ruhm enthalten 800.000 Euro monatlich als Gehalt für mich nach meiner Einweihung abgeschlossen war, Wenn Sie interessiert sind Kontakt Zentrale in Niederlande Via Adresse: unitednationalmasons@XXXXXXXXXX.ch Or WhatsApp +316877XXXXX für Sie auch erfolgreich beitreten, ohne Sich selbst zu betonen.

  5. Hallo bin Herr Umar Zikri aus Malaysia, ich möchte diese freie Zeit schnell nutzen, um mein Zeugnis darüber zu teilen, wie ich der Freimaurervereinigung beikomme, ich meinte so viele Leute, die mir nie den richtigen Weg gezeigt haben, vor einer Woche meinte ich einen Freund, der mich auf den richtigen Link lenkte, um ein Mitglied der Freimaurerei. Ich folgte allen Schritten, und heute bin ich ein stolzes Mitglied des Vereins, Brüder Schwestern nicht versäumen, das Licht zu sehen. und seien Sie vorsichtig, nicht jeder, den Sie sehen, ist real. diese Assoziation ist für Frieden, Reichtum, Macht und Ruhm. der Verein erfordert kein Menschen- oder Blutopfer. Es wird freimaurert. Wenn Sie daran interessiert sind, beizutreten, senden Sie eine Nachricht direkt über Adresse: unitednationalmasons@XXXXXXXXXX.ch Oder WhatsApp Europäische Union +316877XXXXX

  6. Achtung für euch alle hier, I am Ravinder Batte by named, Freimaurerorden, sind in dem Maße gekommen, dass Menschen aus verschiedenen Ländern verwenden, um Geld von Menschen zu sammeln, anstatt den Armen zu helfen, Die Menschen jetzt verwenden, um Geld von den Brüdern und Schwestern zu sammeln, die bereit sind, diesem Auftrag beizutreten, sollten Sie beachten, dass Sie diesen Auftrag Freimaurerei beitreten sollten sehr vorsichtig sein, wen Sie kontaktieren, bevor Sie Ihre Informationen an jemanden senden können, müssen Sie vorsichtig sein, weil wir so viele beschweren wie Menschen ihr Geld nehmen, ohne ihnen zu helfen, dem Auftrag beizutreten, Ich weiß, wie ich gelitten habe, bevor ich ein Mitglied dieser Bestellung, und wie viel ich bezahlt habe, um in dieser Bestellung registriert zu werden, geben Sie nicht auf, wir sind immer noch hier, um die Armen, die talentierten Männer und Frauen, die Geschäftsleute, Fußballer, arbeitende Frauen, Student, ihre Ziele im Leben zu erreichen, so für weitere Informationen darüber, wie man dieser Bestellung beitreten informiert Via E‑Mail, unitednationalmasons@XXXXXXXXXXX.ch Oder WhatsApp Via +316877XXXXX Ihr Schicksal ist auf Ihre Hände.

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