Was machen wir heute?

Doppelstunde, 6. Klasse, direkt nach der Pause. Ich habe den Schülern sehr pünktlich den Computerraum aufgesperrt, mich dann erst mal an meinen Rechner gesetzt und mich angemeldet. Das dauert aus technischen Gründen länger als eine Schüleranmeldung, deshalb fange ich immer rasch damit an. Währenddessen melden sich die Schüler an und der Gong läutet zum eigentlichen Beginn der Stunde. Ein paar Schüler kamen zu mir und fragten nach einer Referatsnote. Einer kam vor und meldete ein vergessenes Heft. Einer hatte eine Mausproblem. Zwischendurch kleinere Fragen. Nach einer Viertelstunde fiel mir auf, dass ich bisher kein Wort zur Klasse als Ganzes gesagt … Continue reading „Was machen wir heute?“

Kirsten Boie, Der Prinz und der Bottelknabe

Dieses Jugendbuch bringt die Handlung von Mark Twains Der Prinz und der Bettelknabe in die heutige Zeit: Calvin Prinz aus bestbürgerlichem Haus (Einzelkind, Hockey, Nachhilfeunterricht, neueste Computer, Markenklamotten, Gymnasium, ehrgeizige Eltern, Villa) trifft zufällig auf Kevin Bottel (alleinerziehende Mutter, mehrere Kinder unterschiedlicher Väter, Hauptschule, Geldnot); die beiden sehen sich verblüffend ähnlich. Sie beschließen die Rollen zu tauschen, erst nur für einen Tag, aber dann finden beide Gefallen an der Situation des jeweils anderen, und so wird mindestens eine Woche daraus. Das Buch ist witzig geschrieben, keineswegs im Sozialkramproblemstil, eher als Komödie. Schließlich ist die Handlung ja auch märchenhaft. Sehr nett … Continue reading „Kirsten Boie, Der Prinz und der Bottelknabe“

Stillleben zur Schullektüre

Ein Quiz: Was lesen wir gerade im Deutsch-LK? Das könnte ich öfter machen; zu jeder Lektüre ein Stillleben mit den wichtigsten Dingen aus dem Buch – Symbolen, Leitmotiven, MacGuffins. Eine Sammlung davon wäre schön, so jeweils als Einstieg zur Besprechung oder Wiederholung. (Und so haben meine Schüle auch mal Udon- und Ramen-Nudeln gesehen. Und ja, wir lesen das Buch in deutscher Übersetzung.)

Computer im Deutschunterricht: Zumindest mal ein Anfang

Erst mal Textverarbeitungsprogramm vor dem Web 2.0? Im Moment lese ich mit einer 9. Klasse „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm. Schwerpunkte sind Symbolik, Rahmenhandlung, Hauptthemen. Sehr viel Zeit will ich nicht damit verbringen. Die Hälfte der Zeit sind wir im Computerraum, wo jeder Schüler für sich eine ausführliche Textdatei erstellt. Anfangen mussten sie mit einer Liste der Hauptpersonen, dann folgte eine selbst geschriebene Inhaltsangabe. (Gerade für das Aneignen von Literatur ist die Inhaltsangabe ein wertvolles Werkzeug. Nur lernen es die Schüler in dieser Form kaum kennen.) Dann mussten die Schüler das Wichtigste aus dem Nachwort der Ausgabe exzerpieren und als … Continue reading „Computer im Deutschunterricht: Zumindest mal ein Anfang“

Schultag gestern (Sandmann, Freud, bisschen Sartre)

Lang, erschöpfend, aber durchaus in Ordnung. Zuerst eine Doppelstunde im LK mit einem gelungenen Referat zum Aufsatz „Das Unheimliche“ von Freud, in dem er E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ psychoanalytisch interpretiert. (Unsere aktuelle Lektüre.) Sehr lesenswert, wird nächstes Jahr gemeinfrei. Kerngedanken der ersten Hälfte: Die Ästhetik beschäftigt sich kaum mit dem Hässlichen. Es gebe nur einen Aufsatz über das Unheimliche von Jentsch, für den das Unheimliche ist: der „Zweifel an der Beseelung eines anscheinend lebendigen Wesens“ und umgekehrt. Beispiel Olimpia, Frankenstein. (Siehe dazu auch Uncanny Valley bei Wikipedia. Im deutschen Artikel ist von einem „empirisch messbaren“ Effekt die Rede, im englischen … Continue reading „Schultag gestern (Sandmann, Freud, bisschen Sartre)“

Englische Schullektüre

…ist ein neues Blog von Jochen Lueders, ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Autoren. Wenn man mal nicht weiß, was man für eine Lektüre lesen soll, kann man durch die Inhaltsangaben und Anregungen dort blättern. Die Beiträge lassen sich kommentieren und sind verschlagwortet. Wer mitmachen möchte, liest dort die Seite „Mitmachen“. (Gastbeiträge bei E-Mail, oder selber Autor werden – da das Blog bei wordpress.com gehostet ist, muss man sich dort angemeldet haben.) Mal anschauen und mitmachen: Englische Schullektüre. (Und jetzt bitte noch ein Blog für Deutsch-Schulaufgaben und -lektüren. Ich sammle schon intern Schulaufgaben im Hauswiki, aber nicht öffentlich.)

Erster! (Sachbücher im Deutschunterricht)

Heute habe ich in der 9. Klasse eine Deutsch-Schulaufgabe geschrieben. (So heißt in Bayern ein benoteter angekündigter schriftlicher Test.) Der Inhalt war ein Eintrag aus dem Lexikon des Unwissens von Kathrin Passig und Aleks Scholz. Damit bin ich hoffentlich Erster! was den Einsatz dieses Buch als Quelle für Schulaufgaben betrifft. (Wir hatten den Schualufgabentyp „Analyse eines Sachtexts“ unter anderem an einem weiteren Eintrag aus dem Buch geübt.) In dem Eintrag ging es vor allem darum, dass man nicht genau weiß, wie eigentlich Klebeband funktioniert. Zur Erklärung werden Geckos und van-der-Waals-Kräfte herangezogen; beides kannten die Schüler bereits aus dem Chemieunterricht der … Continue reading „Erster! (Sachbücher im Deutschunterricht)“

Louise Fitzhugh, Harriet the Spy

Bei meinem Podcast-Potpourri war neulich auch folgender NPR-Beitrag „Unapologetically Harriet, the Misfit Spy“ dabei, ein Beitrag aus der Reihe „In Character“ über wichtige, bekannte, folgenreiche oder vielleicht auch nur interessante fiktionale Figuren der amerikanischen Literatur und Popkultur. Von Harriet hatte ich noch nie gehört. Das klang interessant, ich habe mir das Buch besorgt (ist von 1964), es gelesen, und fand es so mitteilenswert, dass ich das hiermit teilen möchte. Harriet ist elf Jahre alt und führt schon seit einigen Jahren ein Notizbuch, in das sie alle Beobachtungen, die sie macht, einträgt. Beobachtungen heißt: Sie sieht sich als Spionin, hat einen … Continue reading „Louise Fitzhugh, Harriet the Spy“

The Night the Martians Came

Mein LK liest gerade The Martian Chronicles von Ray Bradbury, bei Gelegenheit erzähle ich davon. Ich mag das Buch sehr und ich glaube, man auch sehr viel damit im Unterrricht machen. Im Moment läuft fast alles über Referate; ich habe dreißig Themen ausgegeben, jeder der 20 Schüler suchte sich eines aus. Mit den Referaten bin ich zufrieden (muss ich den Schülern aber auch mal sagen); es ist schön, Referate zu hören, bei denen die Referenten Kenntnis des Texts voraussetzen können, und bei denen die Zuhörer auch wirklich etwas Neues gesagt bekommen. Die Themen bauen auf einander auf. Aber zwanzig Referate … Continue reading „The Night the Martians Came“

Shakespeare, Sommernachtstraum

Mit Teilen des Englisch-LK war ich letzten Donnerstag im Theater, A Midsummer Night’s Dream. Und da man Schüler nicht unvorbereitet auf Shakespeare loslässt, habe ich im Schnelldurchgang ein paar Stunden zur Einführung in den Sommernachtstraum gemacht. (Welches Stück wir später lesen, steht noch nicht fest; ich spreche mich da mit dem Parallelkurs ab.) Zuerst ein Tafelbild, nicht ganz so kompliziert wie das folgende, aber durch den allmählichen Aufbau sind Tafelbilder ja auch leichter nachzuvollziehen als fertige Diagramme: Dann habe ich den Schülern die ersten Minuten der Papiertheater-Version gezeigt, die ich mal mit Neuntklässlern gemacht habe. Die ersten Seiten eben der … Continue reading „Shakespeare, Sommernachtstraum“