Bücher 2013

Meine gelesenen Bücher 2013. Zu einigen habe ich etwas gebloggt. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen, enttäuschend waren Bücher mit (-), besonders gut die mit (+). Digital gelesen 8 1/2 , der Rest war gedruckt.

  1. Kathrin Passig/Sascha Lobo, Internet. Segen oder Fluch
    Empfehlenswert. Allein schon mal wegen des tollen Titels und der drei Seiten Internet-Metaphern, aus denen ich mich für den Deutschunterricht reichlich bediene.
  2. Salcia Landmann, Jiddisch. Das Abenteuer einer Sprache
    Ganz okay. Etwas zu anekdotisch für mich, romanhaft fast, aber das sagt ja schon der Untertitel.
  3. Nick Montfort, Twisty Little Passages
    Theorie der Interactive Fiction. Interessant, aber nicht mitreißend.
  4. D.A. Stern, Shadows in the Asylum
    Ein Roman in Scrapbook-Form, der dritte Vertreter seines Genres, den ich gelesen habe, und der beste bisher. Trotzdem nur so mittel. Ich sehe den Gewinn gegenüber einem reinen Briefroman noch nicht.
  5. Yasmina Reza, Nirgendwo (-)
    Literatur. Mag schön poetisch sein, hat mir aber nichts gebracht.
  6. Benjamin Appel, The People Talk
  7. H. L. Mencken, The American Scene
  8. G. W. Dahlquist, The Chemickal Marriage (-)
    Sehr schwach, aber das kam nicht überraschend. Den ersten Band fand ich ausgezeichnet und neuartig, der zweite ging noch, und das hier war lieblos.
  9. Christopher Isherwood, Goodbye to Berlin
  10. Karen Russell, St. Lucy’s Home for Girls Raised by Wolves
  11. Slightly Foxed No. 37
  12. Lee LeFever, The Art of Explanation
  13. Leanne Shapton, Swimming Studies
  14. Leonie Zoch, Weniger ist mehr
  15. Karl Immermann, Münchhausen (+)
  16. J. C. Squire (Ed.), If It Had Happened Otherwise (+)
  17. Marcelo Figueras, Kamtschatka (+)
    Sehr schöner Roman mit kindlich-jugendlichem Erzähler über das Aufwachsen in einer unter chilenischer Diktatur verfolgten Familie. Mit meinen Fernsehserien, Comic-Helden und Spielen. (Ganze Generationen kennen Kamtschatka aus dem Brettspiel Risiko, und da kommt es auch im Roman her.)
  18. John Steinbeck, Travels with Charley° (+)
    Semifiktionaler Reisebericht aus den USA.
  19. Stevan Paul, Schlaraffenland (+)
    Ganz tolle Kurzgeschichten.
  20. Harry Stephen Keeler, The Riddle of the Travelling Skull (+)
    Mein erster Keeler, wie wohl für viele die erste Begegnung mit diesem Autor. Später mal mehr dazu, hier nur als Vorgeschmack ein viel zitierter Absatz gleich von der ersten Seite des Buchs:

    For it must be remembered that at the time I knew quite nothing, naturally, concerning Milo Payne, the mysterious Cockney talking Englishman with the checkered long-beaked Sherlockholmsian cap; nor of the latter’s „Barr-Bag“ which was as like my own bag as one Milwaukee wienerwurst is like another; nor of Legga, the Human Spider, with her four legs and her six arms; nor of Ichabod Chang, ex-convict, and son of Dong Chang; nor of the elusive poetess, Abigail Sprigge; nor of the Great Simon, with his 2163 pearl buttons; nor of – in short, I then knew quite nothing about anything or anybody involved in the affair of which I had now become a part, unless perchance it were my Nemesis, Sophie Kratzenschneiderwumpel – or Suing Sophie!

  21. Manuel Vázquez Montalbán, Die Rose von Alexandria°
    Ein eher schwacher Band aus der Pepe-Carvalho-Reihe.
  22. Slightly Foxed No. 38
  23. Klaus Breuer, Computerspiele programmieren (+)
    Genetische Algorithmen, Boids, Automaten, neuronale Netze, Fuzzy Logic – toll.
  24. Harry Stephen Keeler, Sing Sing Nights
  25. Scott Westerfeld, Uglies (+)
  26. Terry Pratchett, Nation (+)
  27. Harry Stephen Keeler, The Amazing Web
  28. Arthur Conan Doyle, The Hound of the Baskervilles/The Valley of Fear° (+)
    Hat sich gut gehalten. Baskerville bietet sich als Schullektüre an, enthält viele typische Topoi, und der Anfang ist auch formal ergiebig. Valley ist eine Geschichte, die kaum etwas mit Watson-Holmes zu tun hat, die ziemlich schamlos fast nur als Rahmenhandlung dienen. Die Geschichte basiert auf dem Bericht eines Pinkerton-Agenten, der in einer amerikanischen Bergbausiedlung die Macht der irisch-amerikanischen Selbsthilfegruppe/Terrororganisation Molly Maguires bricht. Ich habe mal ein Call-of-Cthulhu-Abenteuer in diesem Milieu geleitet.
  29. Terry Pratchett, The Amazing Maurice and His Educated Rodents°
  30. Scott Westerfeld, Pretties
  31. James Branch Cabell, Jurgen°
    Cabell kann man mögen, muss aber nicht. Ich bin ein Fan.
  32. James Branch Cabell, Figures of Earth°
  33. Bethan Roberts, My Policeman (-)
  34. Ludger Humbert, Didaktik der Informatik
  35. John Hodgman, More Information Than You Require (-)
    Hodgman und Jonathan Coulton mag ich seit den frühen gemeinsamen Radiosendungen. Das Buch war aber sehr ermüdend.
  36. Deborah & James Howe, Bunnicula
    Der erste Band einer Reihe von Jugendromanen um eine Familie mit einem Kaninchen, von dem nur die anderen Haustiere wissen, dass es ein Vampir ist… wenn das den wirklich stimmt. Leider nicht ganz so gut, wie es sich anhört.
  37. Cory Doctorow, Little Brother (+)
  38. Klabund, Deutsche Literaturgeschichte in Einer Stunde
  39. Theodor Fontane, Fontane zum Schmunzeln
  40. George Barr McCutcheon, Quill’s Window
    Stand seit mindestes einem halben Jahr auf meiner Liste zu lesender Bücher, gleich als ePub heruntergeladen und dann endlich mal zum Lesen gekommen. Warum nur? Wieso? Wo kommt das Buch her? Fängt sogar gut an, wird danach etwas schwächer, ist so überhaupt nicht mein Beuteschema und literaturgeschichtlich völlig unbekannt.
  41. Slightly Foxed No. 39
  42. G. K. Chesterton, The Man Who Was Thursday° (+)
    Ein Klassiker. Chesterton mag ich, aber er ist hierzulande unbekannt und in England eher belächelt. Dieses Buch finde ich grandios. Aber es ist eine Farce, und unrealistisch, und alptraumhaft, sagt ja auch schon der Untertitel.
  43. Kurt Vonnegut, Slaughterhouse 5°
  44. A. K. Dewdney, Der Turing-Omnibus
  45. James Thurber, The 13 Clocks & The Wonderful O°
  46. Anton Kuh, Jetzt können wir schlafen gehen
  47. Charles Portis, True Grit (+)
  48. Tilman Röhrig, In 300 Jahren vielleicht
    Als Schullektüre für die 8. Klasse. Die Erfahrung der Reste einer Dorfbevölkerung im Dreißigjährigen Krieg.
  49. Rafik Schami/Uwe-Michael Gutzschhahn, Der geheime Bericht über Goethe
    Leider eigentlich nur Inhaltsangaben wichtiger Goethe-Bücher in einer Rahmenhandlung.
  50. Terry Pratchett, Dodger
    So la-la. Am bemerkenswertesten für mich, dass ich zwei der Werke wiedererkannt habe, die Pratchett als Hintergrundmaterial genutzt hat.
  51. Rolf Dobelli, Die Kunst des klaren Denkens
  52. Albrecht Beutelspacher, Kryptologie°
  53. Johann Wolfgang Goethe, Reineke Fuchs
    Amüsant. Ein Epos in 12 Gesängen in Hexametern, durchaus als kleine Konkurrenz zur Voß’schen Homer-Übersetzung. Hexameter lese ich eh gerne, und ein paar der Szenen sind überraschend derb-drastisch. Wie der Bär im 2. Gesang leiden muss, dass mache ich vielleicht mal mit Schülern.
  54. Allie Brosh, Hyperbole and a Half (+)
    Sehr gut. Cartoons und Depression und Zeug, lange Geschichte.
  55. Slightly Foxed No. 40
  56. Ross Petras/Kathryn Petras, Wretched Writing
    Eine enttäuschende Sammlung schlechter Sätze aus der Literatur. Viel überflüssiger Kommentar der Herausgeber, und kaum interessante Sätze. Ich habe ein einziges Lesezeichen im Buch gesetzt, das sagt schon alles.
  57. Douglas R. Hoftstadter, Gödel, Escher, Bach° (+)
  58. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch. Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts von Reinhard Kaiser
    Äußerst lesbar; ich kannte bisher nur Auszüge. Nein, das ist kein Schelmenroman. Eher geht es um das Auf und Ab des Schicksals der Hauptperson. (Interessant auch, dass sich  die wenigen Hauptpersonen beim Herumreisen immer wieder über den Weg laufen. Das ist mir vor fünfundzwanzig Jahren bei Musashi das erste Mal aufgefallen,  dann noch einmal bei Tom Jones.) Schön die Absage an die Welt am (ursprünglichen) Schluss, und überraschend danach die Robinsonade im letzten Buch.
  59. Theodor Herzl, Altneuland

Fazit: Wenige Bücher dieses Jahr. Zum einen halte ich meinen Stapel zu lesender Bücher jetzt schon seit drei Jahren recht klein, so dass ich wenig Druck habe, viel zu lesen, und wenig Auswahl, wenn es um neue Bücher geht. Vor allem hatte ich in der zweiten Hälfte des Jahres zu viel anderes um die Ohren, das mich viel Zeit gekostet hat. Gebloggt habe ich ja auch nicht so viel.

Überraschendste Leseerfahrung: Karl Immermann, Münchhausen. Größte Neuentdeckung: Harry Stephen Keeler, über den noch zu bloggen sein wird. Ansonsten viel Nettes dabei, aber nichts Überwältigendes.

(Bücher 2012.)
(Bücher 2011.)
(Bücher 2010.)
(Bücher 2009.)

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9 Thoughts to “Bücher 2013

  1. Nichtsdestotrotz auf mich immer noch beeindruckend wirkend…allerdings nicht mehr einschüchternd wie die letzten Jahre. ;)

  2. Uuuunnnd bester Titel: St Lucy’s Home for Girls Raised by Wolves.

    Just…wow…

    War zufällig ein genialer Krimi dabei, den man mit seiner Englischklasse der 9. Jgst. auf Englisch lesen könnte? Ich bin schon ewig am Suchen, finde aber nichts Passendes. Für einen Tip(p) wäre ich dankbar!

  3. Na, Thomas, dieses Jahr versuche ich dann wieder auf einschüchternd zu kommen. :-)

    Der Titel ist toll, Susan, finde ich auch. Kurzgeschichten, leicht surreal, von denen mir aber kaum etwas hängen geblieben ist,

    Krimi auf Englisch… nicht wirklich. Der Curious Incident von Mark Haddon hat viel Krimihaftes. Gar kein rechter Krimi ist „The Body“ von Stephen King, auch wenn es um eine Leiche geht. (Verfilmt als Stand By Me, schöner Film, schöne novella, es gibt eine für die Schule bearbeitete Fassung, in der leider die schöne Kotzgeschichte fehlt.)
    Hound of the Baskervilles ist sprachlich vielleicht schwierig, und in dieser Jahrgangsstufe wollen die Schüler vielleicht nichts Antiquiertes.

    Ich finde, es müsste schon ein Roman sein; Krimi-Kurzgeschichten sind etwas anderes.

  4. Diese Liste erinnert mich jedes Jahr aufs Neue wieder daran, welchen guten Vorsatz ich nicht erfüllt habe… ;-)

  5. @Herr Rau

    Vielen Dank für die Tipps!
    „Curious Incident“ ist super, meiner Erfahrung nach reagieren da die Schüler aber sehr unterschiedlich drauf. Manche sind nur angenervt von der Sichtweise des Protagonisten. Naja, aber Leute anzunerven, das ist ja auch eine Funktion von Literatur.
    Sherlock Holmes ist ein interessanter Vorschlag, vielleicht finden sie genau die Antiquiertheit interessant? Sprachlich aber schwierig, schwierig…
    Ich hatte mal mit einer Klasse „Stone Cold“ gelesen, da geht es um einen Psychopathen, der Obdachlose umbringt. Gleichzeitig erzählt ein junger Obdachloser – wir haben jeweils die Perspektive des Mörders bzw. des potenziellen Opfers, und es wird sehr spannend, ob sich deren Wege kreuzen werden. Vielleicht probiere ich das mal wieder.

  6. Zu einer soliden Krimibildung gehören ein klassischer englischer Detektivroman und ein Roman von Raymond Chandler. Ich weiß aber nicht, ob das in der Schule geht, und sicher noch nicht in der 9. Klasse. (Für später dann mal: The Yiddish Policeman’s Union von Michael Chabon, das erfordert aber ganz schön viel Flexibilität von den Schülern.)

  7. Also, The Yiddish Policeman’s Union, das würde ich mich mit Schülern nicht trauen. Ich fand es selbst…gewöhnungsbedürftig und glaube, dass dazu einiges an kulturellem Hintergrundwissen dasein muss, damit man den Witz darin einigermaßen versteht.
    Interessant wäre natürlich ein Blick auf die Geschichte der Figur des Detektivs, von Sherlock Holmes bis hin zum Antihelden, zu „diversity“ auch unter Detektiven (V.I. Warshawski, anyone?). Aber das wäre wohl mehr ein W-Seminarthema.

  8. „Yiddish Policeman’s Union“ in der Schule? Wow, funktioniert das? Kann ich mir ja gar nicht vorstellen. Ich hab das vor ein paar Jahren unserem (Erwachsenen-)Buchclub so warm angepriesen, dass wir das Buch gelesen und besprochen haben – aber es wurde als „seltsam“ und sehr schwer zu lesen empfunden. Die Idee, dass man sich anhand kleinster Informationen im Text erstmal zusammenreimen muss, wie eine „Welt“ funktioniert, was sie von unserer unterscheidet, ist Lesern, die wenig/keine Erfahrungen mit SF, Alternate History o.ä. haben, nur ganz schwer zu vermitteln. V.a. (meine Erfahrung) sehen sie meist auch gar nicht ein, warum sie sich diese „Arbeit“ überhaupt machen sollen. Stelle ich mir bei 90% der SchülerInnen auch so vor.

  9. Ich kann’s mir auch nicht wirklich vorstellen. Auf Deutsch ja, aber dazu kommt ja auch noch die Schwierigkeit mit der Fremdsprache. Dass mit der indirekten Informationsvermittlung ist in diesem Buch wirklich besonders krass, aber auch besonders schön gemacht.

    W-Seminar: Klar!

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